Brückenbauer auf Heimatsuche
Falter / Oktober 2025
Für sein biographisch angelegtes Solodebüt wurde Der Kuseng heuer prompt mit dem Österreichischen Kabarettförderpreis ausgezeichnet: „Hoamatlond, Hoamatlond“. Denn aufgewachsen ist der gebürtige Iraner unter „Menschen mit Migrationsdefizit“ in der oberösterreichischen Provinz. Dort, wo man sich seine kindlichen Traumata noch bodenständig bei Perchtenläufen holt und nicht bei Märchenlesungen von Drag-Queens. Und wo einem Jugendlichen die feste Überzeugung eingeimpft wird, dass es ganz normal ist, am Ende jedes Abends mit Freunden zu speiben.
Mit seinem offenherzigen Humor und einnehmenden Wesen, seiner aufrechten Haltung und ganz natürlichen Bühnenpräsenz baut Der Kuseng Brücken zwischen Kulturen, Lebensrealitäten und Identitäten. Auch wenn die Testosteron-Therapie im Zuge seiner FTM-Transition Ergebnisse schuldig bleibt: „Ich will noch immer keine Frau belästigen.“ Aber kein Grund zur Beunruhigung: „Als Transgender muss man sich wirklich keine Sorgen machen. Es machen sich ja eh alle anderen Sorgen.“
Der Kuseng ist ein Glücksfall fürs Kabarett, denn er bietet neue Standpunkte und ihre Perspektiven. Das gemeinsame Lachen verbindet zwanglos, schafft ein Miteinander – und einen Platz, an dem man sich gut aufgehoben fühlt. Möglicherweise eine Hoamat.

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